Mythos Coco – Eine Ballett-Inszenierung

Coco Chanel – eine Legende der Mode. Bisher gab es kaum etwas, dass ich nicht verschlungen hätte, wenn es um Coco Chanel geht. Ob Bücher oder Artikel, sie war und ist faszinierend. Wenn ich nicht bereits fasziniert von dieser Ikone der Modewelt wäre, hätte ich wohl seit dem gestrigen Abend eine Art Trauma. 

Eine Kombination aus Ballett und Tanz mit dem Thema Coco Chanel! Na da musste ich doch Karten für das Deutsche Theater in München bestellen! Vor einigen Monaten schon war die Freude groß. Um nicht schon voreingenommen in die Aufführung zu gehen, habe ich mir diesmal gar nichts zum Stück angesehen oder durchgelesen.

Ein schlichtes Bühnenbild erwartet uns beim Sitzplatzeinnehmen. Eine typische Ottomane, mit orulent goldenen Ornamenten aus Holz, ein großer imposant wirkender Spiegel über einem Kamin an eine teuer wirkenden Holzwand.

Dann geht es los, Salzburger Ballettchef und Choreograf Peter Breuer betritt die Bühne und gibt uns, dem Publikum einen kleinen Leitfaden mit an die Hand. „Ihre Fantasie müssen sie allerdings selbst mitspielen lassen“. Der erst so sympatisch wirkende Choreograf macht mir damit nicht viel Freude, und wie schon geahnt, dann ging es los.

Ein für mich ungeordneter, zeitweise sehr zäher und manchmal beinahe verstöhrend wirkender Ballett-Abend beginnt. Zur Pause bin ich noch optimistisch, dass sich alles wieder zusammenfügen wird. Dem ist dann leider nicht so. Es wird noch zäher und wirkt bei manchen Szene künstlich in die Länge gezogen. Statt sich auf Coco Chanels Werk, ihre Mode zu beziehen, wird der Fokus mehr und mehr auf ihre Liebesgeschichten und deren immer tragisches Ende gelenkt. Die Einbeziehung des angenommenen Ödipus-Komplexes Coco Chanels wird mir mehr und mehr zu viel und die Szenen mit ihrem Vater – der sie damals im Waisenhaus abgab, was ihr ein lebenslanges Trauma verschaffte – sind bizarr.

Die Kostüme immerhin überraschen und begeistern, schaffen es allerdings nicht wirklich alles wieder gut zu machen. Die Tanzszenen sind zu Beginn berauschend und wundervoll. Durch die in die Länge gezogenen Szenen generell verlieren aber auch sie leider an Glanz. Ein Glanz der sich bei mir eigentlich immer beim Ballett einstellt, verblasst so mehr und mehr bis er dann in der Schlussszene endgültig verpufft. Dann nämlich, nachdem Coco Chanel ihr irdisches Leben hinter sich lässt, ihr Vater ihren leblosen Körper ablegt, erscheint das Kind Coco, ruft nach dem Vater und dieser nimmt sie schließlich an der Hand. Eine Szene, die mich aufgrund ihrer Plumpheit irgendwie noch jetzt verärgert. Davon auszugehen, dass sich Vater und Tochter im Tod wieder versöhnt haben, ist mir schlichtweg zu simpel.

Harte Worte, die allerdings nicht bedeuten sollen, dass ich den Abend nicht interessant fand. Und sich selbst ein Bild machen, vielleicht alles (so wie scheinbar alle Kritiker) ganz anders zu sehen wie ich, das kann ich an dieser Stelle nur empfehlen!

 

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